Es gibt Tage, die braucht kein Mensch! (Dabei hatte ich stets auch noch Glück im Unglück)

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Umleitung für Pilger

Ich bin bei Starkregen am Cisa Pass 23 km durch knöchelhohen Matsch und knietiefe Furten gerutscht und geschlittert, dann kam auch noch eine blöde deviazione für den Pilgerweg, weil eine Furt über einen Meter tief ist, eine Brücke eingekracht und ein Weg unter einem Erdrutsch begraben. So macht es nicht sehr viel Spaß.

Es gab keine Busverbindung zu meinem Startpunkt, triefnasse Tramper werden nicht mitgenommen und das Taxi kostete mich 26 Euro. Schlecht vorbereitet war ich auch, denn ich hatte leere (!) Akkus als Reserve eingesteckt.

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Teepause am Cisa-Pass

Als schon 500 m nach dem Start das GPS ausging, stellte ich dies entsetzt fest und wollte schon abbrechen, mir nur noch den Stempel am Pass holen und ein Taxi für den Rückweg rufen.

Doch die Inhaberin des Pass-Cafés half mir mit einer Batterie aus, die den leeren Akku so gut unterstützte, dass ich bis zum nächsten Ort kam, also dann doch 15 km geschafft hatte. Nun zeigte das Gerät wieder „Batterie wechseln“ an und ich wusste, dass es dort keinen Laden gibt. Aber schon das zweite Mal hatte ich an diesem Tag Glück, denn ein Tante-Emma-Wagen (naja, eher ein

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Onkel-Abdul-Wagen

Onkel-Abdul-Wagen, denn der Fahrer war Marokkaner) machte grade in Dorf Halt – und hatte sogar noch genau zwei AA Batterien zum Verkauf an Bord!

 

Wieder zurück am Auto stellte ich fest, dass ich trockene Sachen zum Wechseln vergessen hatte. Also musste ich so nass wie ich war, auch noch den Autositz durchweichen. Ich hatte unseren Agriturismo schon vor Augen, als ich in eine Allgemeine Verkehrskontrolle kam, Nun konnte ich ehemalige Europarecht-Dozentin lernen, wie Schengen in der Praxis funktioniert:

Die Carabinieri prüften Führerschein, Fahrzeugschein und grüne Versicherungskarte, fragten nach meiner Adresse in Italien und ließen mich weiter fahren.

Eine Stunde später wurden Aurelia und ich samt Vermieter als Dolmetscher für Englisch dann von einem Blaulichttaxi im Agriturismo abgeholt. Es hatte sich herausgestellt, dass mein Führerschein in der Schengendatenbank als gestohlen notiert war. Stimmt aber gar nicht. Doch nach Auffassung des Obercarabiniero irren deutsche Behörden nie. Also wurde mein Führerschein eingezogen und es ist nur der Wortgewandtheit unseres Vermieters zu verdanken, dass ich mit einem Passierschein auf dem Heimweg hinter dem Steuer sitzen darf und Fahrzeugpapiere, Pass und Perso zurück erhalten habe. Die wollten sie nämlich gleich mit einziehen.

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Ich erhielt ein Ersatzdokument und durfte zurück fahren. Man wolle den Führerschein nun nach Rom schicken, von dort gehe er nach Berlin, was dann passiere, wisse man nicht so genau. Aha. Ich solle einfach abwarten, bestimmt würde ich ihn nach ein paar Tagen wieder ausgehändigt bekommen. 

 

Gegenstand des Tages ist heute also ganz eindeutig mein Führerschein – Gott hab ihn selig!


(Nachtrag am 2. August: nein, ich bekam meinen Führerschein nicht zurück. Zuhause habe ich erst einmal zwei Wochen geduldig gewartet, mich dann ans Straßenverkehrsamt gewandt. Dort wusste man weder von einer Sperrung noch von der Wegnahme und bat mich, in die örtliche Polizeidienststelle zu gehen. Auch dort konnte man mir nichts über den Verbleib meines Kärtchens sagen, konnte aber auch nicht nachvollziehen, warum er mir abgenommen wurde, weil er von mir ja gar nicht als gestohlen gemeldet war. Die Carabinieri waren aber echt, sie haben einen Eintrag gemacht. Fest steht also nur: Der Lappen ist weg, keiner weiß wo und bis das geklärt ist, bekomme ich wohl auch kein Ersatzdokument.

Naja, dass deutsche Behörden niemals irren, habe ich nun ja schon zum zweiten Mal erfahren. Kurz nachdem Aurelia geboren war, war täglich Post im Kasten, adressiert an „Die Hinterbliebenen von Ingrid Retterath“. Irgendjemand im Standesamt hatte bei der Eintragung des Neugeborenen einen Klick bei „Mutter bei der Geburt verstorben“ gemacht und schon war ich für Behörden, GEZ und meine Gehaltstelle nicht mehr existent. Damals hat es fünf Monate gedauert, bis ich alle Schäden beseitigt hatte, die ein blödes Behördenversehen angerichtet hatte. Hoffentlich geht es diesmal schneller.

In jedem Fall muss ich nun abwarten und Tee trinken – wie schon am Cisa-Pass vor zwei Monaten)

 

3 thoughts on “Via Francigena Tag 14

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