Selbstgerührte Salbe, einer der Höhepunkte unserer Weihnachtsreise

Eigentlich wollten wir bei unserer Fichtelwoche ja schon nach dem Frühstück die Heimfahrt antreten. Doch als wir an der Rezeption eine Liste sahen, in die sich Interessenten für selbstgemachte Salben eintragen konnten, war die Planänderung nur eine Frage von Zehntelsekunden.

Jahrelang hatte ich mit Rezepten von Jean Pütz und Empfehlungen meines Bioladens all unsere Kosmetik selbst gemacht, vom Shampoo über Gesichtscreme bis hin zu einem total genialen Sonnenschutz, der gleichzeitig Mücken vertrieb. Auf diese Weise hatte ich auch eine Antifaltencreme für meine Mutter gefunden, von der sie keine Pickelchen und Ausschläge bekam wie von den meisten im Handel erhältlichen Cremes. Leider fehlten mir in den letzten Jahren Zeit und Nerven dafür, alle Rohstoffe verdarben und wanderten im vergangenen Jahr in den Müll. Schade, aber Lebensumstände ändern sich leider.

Diese Menge an Tiegelchen sollte genügen

Nun also ein Workshop für Salben. Abends um 18 Uhr standen unsere beiden Namen noch allein in der Liste. Die Mindestteilnehmerzahl lag bei vier Teilnehmern, also fürchtete ich schon, dass es ausfällt. Doch am nächsten Morgen saßen meine Mutter und ich zusammen mit zwei Elternpaaren und einer Mutter mit Baby um den von Elke Diezinger vorbereiteten Tisch. Sieben Teilnehmer, die Workshopleiterin staunte selbst über das große Interesse.

Sie erklärte uns, wie man einen Ölauszug aus Kräutern ansetzt und abseiht. Wir lernten einiges über die verschiedenen Wirkungen der Pflanzen, über Bienenwachs und vegane Ersatzstoffe, über Zinksalbe, Essenzen, ätherische Öle und viel mehr. Nicht schulmeisterlich, sondern mit Schmunzeln und Augenzwinkern. Gerne auch experimentell, wie bei der Gundermann-Zink-Salbe, die sie mit uns das erste Mal rührte.

Konzentriert und fröhlich – so mag ich Workshopleiter

Sie zeigte uns, wie man ein Ölauszug ansetzt und abseiht. (Natürlich an zwei verschiedenen Flaschen, denn der Ansatz muss ja ziehen können) Einmal führte sie uns den Prozess der Salbenherstellung vor. Einfacher geht es nicht: Für eine einfache Salbe benötigt man nur zwei Zutaten: Den Ölauszug und Bienenwachs. Wenn beides verrührt und verschmolzen ist, kann (!) zur Verstärkung noch die eine oder andere Tinktur oder ein Ätherisches Öl hinzu gegeben werden. Kann, muss aber nicht. Die Mutter neben mir, deren Kinder von zahlreichen Allergien und Hautkrankheiten betroffen sind, seufzte erleichtert auf. Je weniger verschiedene Bestandteile enthalten sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass eines davon ein Allergen ist.

Und schon ging es los. Jeder Teilnehmer konnte sich seine eigene Salbe rühren. Jeder von uns hatte ein anderes Behandlungsziel, auf diese Weise kamen wir zu je vier Tiegelchen von acht verschiedenen Salben, die wir am Ende untereinander tauschten.

Stillleben mit Wasserbad
Fleißige Salbenrührer

Ich hatte mich für eine Spitzwegerichsalbe entschieden, weil sie mir ein guter Wandergefährte zu sein scheint: Lindert Insektenstiche und andere Hautirritationen, beschleunigt die Wundheilung, wirkt antibakteriell und entzündungshemmend. Sogar Hustenreiz soll damit eine Linderung erfahren und die Immunabwehr gestärkt werden. Eine echte Wunder-Wander-Salbe!

Ich werde im Laufe des Wanderjahrs berichten, ob sie hält, was sie verspricht.

…bis sich der Wachs aufgelöst hat.
Rühren, Rühren, Rühren…

Meine Mutter entschied sich für eine Erkältungssalbe, denn sie wollte unbedingt etwas mit Rosmarin machen. Zu dem Rosmarin gesellten sich Thymianöl, Salbeiöl, Eukalyptustinktur und Propolis. Natürlich! Wer Jahrzehnte für die Familie, den Bauernhof, die Jugendherberge, den Kindergarten und das Rote Kreuz gekocht hat, gibt sich nicht nur mit zwei Bestandteilen zufrieden, selbst wenn es nur um 100 g Ölbasis geht!

Die anderen Teilnehmer stellten Salben mit den Namen „Muskelentspannung“, „Schlaf gut!“, „Wald“, „Heilen“ und „Nase frei“ her. Die Vorführsalbe mit Zink nannten wir „Popo“. Alle schmunzelten, als wir die Keime in den leeren Gläschen verscheuchen sollten: Frau Diezinger hatte jedem freigestellt, entweder die Flasche mit der Sprühdesinfektion zu nehmen oder den

ebenfalls in Sprühflaschen gefüllten Wodka. Welchen Schluss kann man ziehen, wenn alle Teilnehmer sich spontan nach der Wodkaflasche strecken?!

Beim Umfüllen der Salbe bleibt ja immer noch ein kleiner Rest im Becherglas. Den Rest aus dem Glas meiner Mutter strich ich mir sofort auf Rücken und Brust. Schon nach wenigen Minuten wurde mein Hustenreiz schwächer, sie hat also eine gute Mischung gewählt.

Ein Ehrenplatz im Regal

Danke, liebe Elke Diezinger, für diesen perfekten Workshop. Ich habe für meine neuen Salben nun in der Küche ein eigenes Regalbrett frei geräumt. Etwas abgeschattet, aber gut erreichbar. Die Kinder wollen immer wieder an allen Tiegelchen riechen und zeigen nicht die Abwehr, die ich sonst bei Cremes, Salben und Balsamen von ihnen kenne.

Nach einer vollkommen aufgedrehten Familien-Silvesterparty ließen sich alle drei abends um halb elf mit „Schlaf gut!“ (Lavendel & Rose) eincremen und verschliefen sogar die von Bathidas Hundegewinsel untermalte Knallerei beim Jahreswechsel.

 

Ingrids Wandersalbe
Gerdas Erkältungssalbe

8 thoughts on “Salben-Workshop bei Elke Diezinger

  1. Wenn die Fjonka das liest, fängt sie bestimmt noch an, Salben zu kochen. Bienenwachs hat sie ja.
    Ich zupfe mir im Bedarfsfall ein Blättchen Spitz-oder Breitwegerich und nutze das pur, ohne den Umweg über Salbe.
    Breitwegerich, ganz wichtig, wenn Du mal kein Blasenpflaster hast! Etwas rollen, und auf die Blase pappen. Spitzwegerich geht auch, hat aber nicht so ganz die günstige Form.

    1. Danke für den Tipp. Wir sollten ‚mal zusammen wandern gehen, ich kann unterwegs nämlich nur mit Mühe eine Tanne von einer Tulpe unterscheiden 😉

  2. Oh wie schön. Das würde ich auch gerne lernen. Das Hotel ist ja wohl der Brüller. Rundumglücklichprogramm für die ganze Familie. Kannst du uns bitte den Linken zur Hotelseite verraten?

  3. Bei Deinen Berichten zu Eurem Weihnachtshotel merke ich wieder, wie sehr Lebensumstände die Ansprüche beeinflussen.
    Für mich muss ein Quartier ruhig sein, keine Annimation, am liebsten Selbstversorger. Gerade letzte Woche freute sich eine Kollegin, dass sie für den Urlaub ein „Erwachsenenhotel“ gefunden hätte, keine Kinder keine Annimation. Soweit würde ich jetzt nicht gehen,
    Ich bin froh das wir aber zu einer Zeit leben, wo jeder von uns die Chance hat, das Hotel/Quartier für sich zu finden, was ihm spass macht.

    1. In meinem tiefsten Inneren bin ich auch ganz nah bei dir, das weißt du: Selbstversorger, gerne einfach, keine Animation, ruhig. Das kommt auch bestimmt wieder für mich. wenn es Kinderanimation gibt, ist es für meine Mutter und mich im Zimmer oder auf Winterwanderungen herrlich ruhig! Und Obacht: Erwachsenenhotels sind nicht unbedingt ruhig. Die Volljährigen werden zwar nicht von Kinderlärm belästig, in manchen dieser Hotels wummert aber die Disko bis zum Morgengrauen.

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