Mit meinen Blogbeiträgen möchte ich euch in diesen ungewöhnlichen Zeiten nicht nur Mut machen, sondern auch zu mehr Mut aufrufen.

Um es ‚mal ganz platt zu formulieren: „Wenn dir das Wasser bis zum Hals steht, darfst du den Kopf nicht hängen lassen!“

Ja, ich weiß, dass es Schlimmeres gibt, als 5 Wochen mit seinen Kindern auf engstem Raum verbringen zu müssen. Sicher würdet ihr diese Situation auch bequem überstehen, ohne dass ich euch 55 Ideen zur Gestaltung dieser Zeit mit auf den Weg gebe.

Ich kenne die bleierne Müdigkeit von Eltern, die Homeoffice, e-learning ihrer Schulkinder und pausenlose Betreuung ihrer Kinder unter einen Hut bringen müssen leider nur zu gut. Denn ich arbeite immer von zuhause aus und meinen Auftraggebern ist bei den Abgabeterminen für meine Manuskripte wahrscheinlich vollkommen egal, ob und wie viele Kinder mir momentan gleichzeitig um den Schreibtisch hüpfen.

Aus meinen Zeiten beim DRK, Katastrophenschutz und Hospizdienst kenne ich auch die unfassbar große Erschöpfung, wenn man den ganzen Tag Patienten versorgt hat und abends nicht mehr zur Ruhe kommt. Damals haben mich Schwerkranke und Sterbende manchmal mehrere Nächte am Stück vom Schlaf abgehalten.

So sehr die staatlichen Stellen uns nun auch in Sicherheit wiegen wollen, indem sie finanzielle (Sofort-)Hilfen anbieten: wir wissen doch, wie es am Ende mit solchen Hilfen kommt: zu spät, zu wenig, an die falschen, mit zu viel Bürokratie. Selbst das Anmelden von Kurzarbeit oder Hartz-IV ist doch aktuell nicht möglich, weil man nicht an die kompetenten Mitarbeiter und richtigen Formulare kommt.

Fast jeder von uns hat Existenzangst, weil Einnahmen wegbrechen. Das kleine familiengeführte Hotel ohne Gäste. Der Messebauer ohne Messen. Der Caterer ohne Partys. Die Fotografin ohne Fotoshootings. Aber auch Kleinkünstler, Hundetrainer, Kneipiers, Kosmetikerinnen, Prostituierte, Privatmuseumsleiter, Sporttrainer, Saunabetreiber, Souvenirladenbesitzer, Fremdenführer, Avon*- und Tupper*beraterinnen. Die Liste lässt sich endlos fortsetzen und nur ein Bruchteil wird staatliche Hilfen erhalten können, zum Beispiel um den Bauarbeiter und die Chemielaborantin, die ihre Kinder nicht einfach mit ins Büro nehmen können und eine Kündigung befürchten.

Nur erahnen kann ich die Angst um die eigene Gesundheit bei den vielen netten Menschen hinter den Supermarktkassen, die von 7:00 bis 23:00 von vollkommen fremden Leuten angehustet und angerotzt werden. Oder die Angst meiner Physiotherapeutin, die ihre Praxis offen halten MUSS, obwohl sie ein immunsuprimiertes Kind zuhause hat.

Meine Sorge, nun voraussichtlich den Rest des Frühlings und den ganzen Sommer nicht nach Wales zu kommen, um dort zu recherchieren, ist von all dem nur ein schwacher Schatten.

Und doch klammere ich mich mit aller Kraft an Artikel 2 des Kölschen Grundgesetzes (Et kütt, wie et kütt), um mir nicht in einem Gedankenkarussell die Nerven kaputt zu machen: Was wird aus meinen weiteren Eifelrecherchen, wenn irgendwann eine Ausgangssperre wie in Italien und Österreich dazu kommt? – Wie stark brechen die Verkaufszahlen meiner Reiseführer ein, wenn keiner mehr reist? – Wird einer (oder sogar alle) Verlage, mit denen ich Verträge habe, Konkurs anmelden müssen? – …

Aber was ändere ich an meiner Lage, wenn ich in eine Corona-Angst-Starre falle wie ein Kaninchen vor der Schlange? Nichts! Und was ändere ich an meiner Lage, wenn ich mit schlechter Laune durch den Tag gehe? Nichts! Im Gegenteil! Die Kinder sind auch schlecht gelaunt und wir machen uns das Leben zum Alptraum.

Also mache ich das einzige, was ich in meiner aktuellen Lage machen kann:

  • Schreiben (an meinem Manuskript und in meinem Blog)
  • meine „medizinischen“ Freunde auffangen
  • nicht im dicksten Gewühl einkaufen
  • die Kinder in den Garten scheuchen, damit sie gut gelaunt radeln, schaukeln und die Terrasse bemalen
  • heute Nachmittag zur DRK-Blutspende gehen, denn es werden dringend Spender gesucht und ich weiß, dass ich bei der Rettung mindestens eines Menschenlebens mithelfe
  • mich nicht mehr länger über Leute aufregen, die Klopapier kaufen, denn wer Schiss hat, muss öfter kacken!

*Werbung? Ja! Ich nenne solche Firmen- und Produktnamen aus voller Überzeugung – aber ohne deren Gegenleistung.

2 thoughts on “Mut in Zeiten der Existenzangst

  1. Du – ich bin ja eine dieser „angehusteten“ Leute hinter der Kasse, wenn auch nicht im Supermarkt. Und ich kann Dir sagen: nein, wir haben gar keine Angst! Jedenfalls ich nicht und auch keine meiner Kolleginnen. Meine Chefin hat Angst, daß zu Viele krank werden (derzeit 2x GRIPPE) und deshalb der Laden nicht weiter öffnen kann. Existenzängste- die kann ich nachvollziehen! Das wars aber auch.
    Ich gehe davon aus, daß ich mich anstecken werde – mit Grippe, oder mit Magen-Darm, oder mit Corona. Mit irgendwas stecke ich mich jeden Winter an, isso. Wie jeden Winter nervt mich’s dann, aber ich habe keine ANGST. Aktuell befürchte ich tatsächlich, daß was im Anmarsch ist. Ich befürchte es deshalb, weil ich die KollegInnen nicht hängen lassen will, wo schon zwei krank sind….
    Na, und wenn ich dann in 4 Wochen aus der Quarantänestation schreibe (oder auch nicht mehr) dann ist das halt so. Ich kann auch unters Auto kommen, davor hab ich auch nicht jeden Tag Angst.
    So.
    Jetzt hast Du abgekriegt, daß es mich ohne Ende nervt, wenn die Leute meinen, sich bedanken zu müssen, daß ich wie immer zur Arbeit gehe…. Was Du, ich weiß, nicht getan hast, aber fast *gg*, und ich lese das derzeit so oft….furchtbar

  2. Das hast Du schön geschrieben.

    Ich habe es gut, denn ich musste mich nicht groß umgewöhnen, denn seit ich bei meiner jetzigen Firma bin, bin ich eh meist im HomeOffice. Umstellung ist, das LAG nun auch hier arbeitet, da er in seiner Wohnung kein LAN hat. Ich versuche alles so normal wie möglich zu halten.
    Ja ich habe auch mittlerweile mehr Vorräte als üblich, aber so lange es geht nutzen wir auch Angebote der umliegenden Gastronomen alleine schon aus Solidarität. Auch wenn wir das Essen als ToGo mit nach Hause nehmen. Und die Wochenmärkte mit frischen Produkten. Heute gab es Rosenkohlcurry.

    Weiter gibt es in Braunschweig nur 8 bestätigte Fälle und im Großraum Hannover 121, somit ist, auch wenn ich natürlich nach jedem reinkommen als erstes die Hände wasche, das Risiko hier noch gering.
    Mehr Sorgen mache ich mir um die Eltern am andere, West, Ende Deutschlands. Aber die sind pragmatisch. Der Einmachkeller ist voll, Brot backt meine Mutter viel selber und auch der Gefrierschrank ist gut gefüllt.

    Planungen gehen nur noch 2-3 Tage weit, was in 2 Wochen mit meinem Wanderurlaub mit Dir in die Eifel wird, werden wir sehen. Ich habe mal den Wagen vollgetankt, damit komm ich auf jeden Fall hin und her. Die ersten Sachen sind auch schon rausgelegt (zur Kontrolle ob alles intakt ist).
    Et kütt wie et kütt…….

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.