Manchmal ist es sogar gut, wenn jemand unter Pandemie-Koller leidet. So ging es nämlich Simon und Ingrid in Innsbruck. Sie waren Anfang/Mitte 2020 gefrustet, verunsichert, gestresst und vermissten Interaktion mit Freunden & Familie. Dadurch fingen sie an, exzessiv Brettspiele zu spielen. Was sie aber noch mehr nervte: Da spielt man immer gegeneinander! In dieser nervigen Frustsituation kamen sie auf eine prächtige Idee: Escape Spiele! Diese sind einfach super, weil man gemeinsam etwas schafft, mehrere Erfolgserlebnisse hat und durch den Denksport den Alltagsstress wirklich mal hinter sich lässt. Das wollen Ingrid und Simon: anderen Menschen Freude machen. Erfolge greifbar machen. Selbstbewusstsein stärken. Wohlbefinden erhöhen. Spaß an der Freude haben. Ganz ins Spiel eintauchen.

Was für ein Glück für uns!

Aurelia hatte sich nach dem faden Start von Sherlock Junior* ein spannenderes Escape Spiel für uns zwei gewünscht. Durch Zufall entdeckte ich The Escape Mail* und hoffte anhand der Karte mit dem Totenkopf, dass dies zu meiner kleinen Piratin und mir passen könnte. Auf der Homepage wird verblüffend viel von dem späteren Inhalt des Umschlags gezeigt.

Die Geschichte:

Meine Familie hat mir einen Cousin verheimlicht, der mich mit einem Brief um Hilfe bittet. JJ sucht den Familienschatz, wird verfolgt und hat einige Probleme zu lösen, um dem Schatz näher zu kommen. Im Umschlag finde ich wichtige Unterlagen, in denen er mich verschlüsselt bei der Lösung unterstützt.

Der Ablauf:

Unter https://theescapemail.de kauften wir das Spiel ein, erhielten umgehend eine Quittungsmail und schon am nächsten Werktag lag ein Briefumschlag aus Innsbruck im Briefkasten.

Meine Mutter erfragte sich die hübsche Briefmarke. Aurelia vertröstete sie auf die Lösung des Falles, weil ihr sofort klar war, dass sogar der Umschlag zur Lösung beitragen würde.

Wir staunten über die liebevoll ausgewählten Einzelteile, die zum Teil sogar handgefertigt sind.

Wir lasen den Brief unseres Cousins, studierten eine unvollständige Landkarte aus dem 17. Jahrhundert, bastelten und zählten, knobelten und rätselten, dechiffrierten und staunten. Ich war erstaunt, an wie vielen Stellen Aurelia intuitiv genau das tat, was richtig war. Das Spielmaterial ließen wir gerne durch die Hände gehen, weil es sich gut anfühlt.

Die Variante „normal“ war genau richtig für unsere pandemiegeplagten Nerven. So hatten wir Netz und doppelten Boden. Wenn wir allein nicht klargekommen wären, hätten wir zunächst in die Flowcard schauen können, das ist eine Art Spickzettel. Hätte das nicht gereicht, wären auf der Homepage des Spiels Hinweise in vier Stufen (kleiner/mittlerer/großer Hinweis + Lösung) zu finden gewesen. Mit der Gewissheit, alle Rätsel in jedem Fall mit kleinen und größeren Hilfen lösen zu können, ging es dann sogar ganz ohne diese Hilfen.

Die kleine Karte oben in der Mitte umdrehen!

Noch am nächsten Tag entdeckte ich Aurelia am Schreibtisch – in die Landkarte vertieft. Als sie mich sah, seufzte sie: „Hach, ich wollte, wie könnten da hin reisen!“, und nach einer kurzen Pause „Naja, immerhin mit dem Finger auf der Karte!“

Erst einige Tage nach Abschluss der Episode habe ich mir die Flowcard genauer angesehen, weil wir sie ja gar nicht genutzt hatten. Auf der Rückseite entdeckte ich zwei Überraschungen:
(1) während online als Hilfsmittel eine Schere, ein Rechner und eine Internetverbindung angegeben waren, kamen hier noch ein Stift und Klebeband hinzu. Den Stift hatten wir in der Tat benötigt, wann das Klebeband hätte eingesetzt werden müssen, ist mir nicht klar.
(2) zwei QR Codes führen zu den Hinweisen auf der Homepage – und zu einer Playlist für Spotify* mit einer ganzen Reihe Titel, die prima zum Spiel passen. Das hätte ich gerne früher entdeckt und während des Spiels gehört. Aber auch jetzt beim Tippen genieße ich die Musik.

Einige Details:

  • Es gibt zwei Schwierigkeitsstufen: „normal“ (für Anfänger und Familien) und „schwierig“ (für Escape-Profis). Bei “schwierig” ist keine Flowcard enthalten. 
  • Spielsprache ist Deutsch. Das Spiel kommt ursprünglich aus Kanada, auf der Homepage gibt es einen Link zu dieser englischen Version.
  • Episode 1 kann allein gespielt werden, sie ist die Einführung in eine Geschichte. Die gesamte Staffel ist ein ganzes Jahr angelegt.
  • Das meiste kann offline gespielt werden, gegen Ende braucht ihr ganz kurz einen Internetzugang.
  • Vor dem Kauf wird auf der Homepage angegeben, welches Werkzeug ihr braucht.
  • angelegt sind die Teile für eine Spieldauer von etwa 60-80 Minuten. Wir haben für den ersten Teil fast 2 Stunden gebraucht, dafür aber keine Hilfen benötigt.
  • Altersempfehlung? Der Hersteller rät zur normalen Version ab einem Alter von 10 Jahren mit erwachsener Hilfe. Ich schätze, das 12-14-jährige es allein spielen können. Zusammen mit Erwachsenen sind die meisten Rätsel aber schon ab 8-9 Jahren zu verstehen. Kein Gruselfaktor, deshalb kein Problem mit jüngeren Mitspielern.

Die Reihenfolge: (soweit sie mir schon bekannt ist)

  1. Familiengeheimnisse (erschienen am 1. Februar 2021)
  2. Vermisste Person (März 2021)
  3. Alte Geheimnisse (April 2021)

Quanta Costa?

Wir haben für die erste Episode 17,99 Euro bezahlt, das war der Einführungspreis. Inzwischen kosten die Episoden 19,99 Euro. Dieser Preis ist gerechtfertigt für 1-2 Stunden Knobelspannung.

Interaktiv:

Simon und Ingrid gehen schnell und spontan auf organisatorische und technische Probleme ein. Sogar eine Mail am frühen Sonntagmorgen (und ihr wisst, wann meine Kinder aufstehen!) wurde in weniger als einer Stunde beantwortet. Nach einem netten Mailwechsel verriet mir Ingrid sogar schon etwas von den nächsten beiden Episoden:

Ep.2 wird ganz anders sein. Neue Komponenten – man muss online Hinweise mit dem Briefinhalt kombinieren. Eines allein geht nicht… Ep. 3 erfordert wiederum viel handwerkliches Geschick.. Immer was anderes, somit wirds nicht langweilig und gleichzeitig ist für jede/n was dabei! 

Ingrid von The Escape Mail

Ausblick:

Dieser Brief war der Auftakt für eine Geschichte, die über zwölf Ausgaben hinweg zusammen hängt. Aber man kann auch jeden Brief für sich allein spielen, also als in sich geschlossenes Spiel. Mehr Spaß macht es sicher im Kontext mit den vorangegangenen und folgenden Episoden.

Wir haben uns sofort für das Abo für die ganze Staffel angemeldet. Natürlich wollen wir unseren Cousin retten und die Landkarte komplettieren. Nun erhalten wir jeden Monat eine Fortsetzung dieses Abenteuers. Und diesmal werden wir die individuelle Playlistsofort abspielen, um ganz eintauchen zu können.

*Werbung? Ja sicher! Und zwar aus Überzeugung durch Nennung von Anbietern und Produkten. Die Spiele haben wir selbst bezahlt. Ich werde nicht dafür bezahlt, dass ich über das Spiel schreibe.

2 thoughts on “Spieltipp: Escapemail

  1. Hallo Ingrid
    Was für eine perfekte Zusammenfassung unseres Spiels und Werdegang
    DANKE.
    Wollte noch sagen: Klebeband war für die Teile der Schatzkarte gedacht, dass man diese kleben kann
    Es ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl, wenn man wirklich das Weitergeben kann, was man wollte: In unserem Fall, einfach Spaß an der Freude haben
    Liebe Grüße
    Ingrid (von EscapeMail)

    1. Na prima, dann ist das Rätsel um das Klebeband auch gelöst. Wir hatten uns nicht gewagt, die Teile zusammen zu kleben, weil wir ja nicht wussten, wofür sie zukünftig noch verwendet werden.

      Ja, wir sind echte Profiteure eures Lagerkollers. Denn wir spielen auch nicht gerne gegeneinander, sondern lieber miteinander.

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